Nachdem die VG-Initiative in Osnabrück seit 2005 jährlich zwei künstlerische Positionen im Geburtshaus Friedrich Vordemberge-Gildewarts (VG) vorgestellt hat, werden diese nun in einer gemeinsamen Ausstellung gezeigt. Mit der von Lehrenden und Studierenden des Kunsthistorischen Instituts der Universität Osnabrück konzipierten und realisierten Präsentation soll nicht nur dem Wirken Friedrich Vordemberge-Gildewarts als wichtigem Vertreter der nichtfigurativen Kunst seiner Generation, sondern auch den bis heute nachfolgenden kreativen Impulsen Rechnung getragen werden, die Ideen und Aspekte der systematischen nichtfigurativen Kunst weiter tragen – wie die Konzentration der Gestaltung auf geometrische Formen und die Farbe, die Betonung des Konstruktiven und des Seriellen.

Angefangen bei VG und Richard Paul Lohse wird ein Bogen geschlagen über Gudrun Piper, Dietrich Helms, Uli Pohl, Jo Niemeyer, Norbert Thomas und Regine Bonke, bis hin zu Jürgen Paas und Markus Kronberger. Die Ausstellung gestalten, forschen und erfinden – idee und erbe der systematischen nichtfigurativen kunst in der Sparkasse Osnabrück (Wittekindstr. 2-4, 49074 Osnabrück) vom 28.1 bis 4.3.2011 lädt dazu ein, die ästhetischen Prinzipien und gestalterischen Verfahrensweisen der Künstler durch Sehen und Vergleichen zu begreifen.

bonke

kleine form | 2007
(aus der reihe stapelstücke), vierteilig, handgeschöpftes papier auf holz, corten-stahl, plexiglas, gummi, aluminium, 58 x 100 x 100 cm (im besitz der künstlerin)
copyright vg bild-kunst bonn 2011

verfasserin antje spreckelmeier
sprecherin grit petersohn
dauer 2:52 min

regine bonke, 1948 in kiel geboren, studierte dort bis 1972 kunstpädagogik, kunstgeschichte und biologie und arbeitete als kunsterzieherin im schuldienst, bevor sie sich 1985 ganz ihrer freien künstlerischen tätigkeit widmete. seit diesem zeitpunkt nahm die künstlerin an mehr als 180 ausstellungen teil und zeigte ihre arbeiten in zahlreichen einzelausstel-lungen. bonke lebt und arbeitet heute in ratzeburg in schleswig-holstein.

bonke

faltbild | 1964
zeichenkarton gefalzt, mit verdünnter tusche eingefärbt und abgerieben, 49,5 x 49,5 cm (im besitz des künstlers)
copyright vg bild-kunst bonn 2011

verfasserinnen christin albrecht und
nora wessel
sprecherin grit petersohn
dauer 2:24 min

dietrich helms wurde 1933 in osnabrück geboren. 1952 ging er für das kunststudium nach hamburg, anschließend nach kassel. zurück in hamburg nahm er ein studium der germanistik und literaturwissenschaft auf. ab 1958 arbeitete er als gymnasiallehrer in hannover und schloss sich 1960 der galerie seide an. 1965 erhielt er einen ruf an die hochschule für bildende künste in hamburg. neben seiner fortwährenden freien künstlerischen arbeit war helms 1968 mitglied des documenta-rates; er gab die zeitschrift kunst + unterricht mit heraus und war gründungsmitglied und präsident des internationalen künstler gremiums (ikg). seit 1978 ist er im rat der stiftung vordemberge-gildewart, rapperswil/schweiz und arbeitet den vg-nachlass auf. helms’ eigene arbeiten sind in vielen öffentlichen sammlungen vertreten.

bonke

intermundium | 2009
siebdruck (auflage 15), 44 x 44 cm
(im besitz des künstlers)

verfasserinnen lena guntenhöner und
jana olthoff
sprecherin grit petersohn
dauer 2:15 min

markus kronberger, 1964 in nürnberg geboren, studierte an der dortigen akademie der bildenden künste freie malerei und im aufbaustudium kunst im öffentlichen raum. 1996 erhielt er den debütantenpreis des freistaates bayern. zusammen mit waldemar bachmeier und reinhard wöllmer gehörte er bis 2004 der künstlergruppe purpur an. seit 2006 ist er als dozent an verschiedenen orten im in- und ausland tätig, hauptsächlich an der akademie faber-castell in stein bei nürnberg, wo er 2010 auch die fachbereichsleitung übernahm. seit 1992 sind seine arbeiten in einzel- und gruppenausstellungen zu sehen und wurden für sammlungen, darunter auch den deutschen bundestag berlin, angekauft. projekte im öffentlichen raum wie etwa seine 12 plätze mit modularen trinkwasserbrunnen in nürnberg wurden mit preisen ausgezeichnet.

bonke

15 systematische farbreihen mit 5 gleichen horizontalen rhythmen | 1970-72
siebdruck in 15 farben (auflage 180),
auf polystyrol-platte, 115 x 115 cm,
edition & galerie hoffmann, friedberg, sammlung dr. jürgen pohlmann und mecki pohlmann, osnabrück
copyright vg bild-kunst bonn 2011

verfasserin christine tebbe
sprecherin grit petersohn
dauer 2:42 min

richard paul lohse wurde 1902 in zürich geboren. im jahre 1917 begann er autodidaktisch mit ersten realistischen bildern. er absolvierte eine ausbildung zum reklamezeichner in einer werbeagentur und besuchte von 1918 bis 1922 die zürcher kunstgewerbeschule. Im Jahre 1937 gründete lohse zusammen mit leo leuppi die künstlergruppe allianz, vereinigung moderner schweizer künstler. 1943 standardisierte er die bildmittel und begann die entwicklung modularer und serieller ordnungen. er arbeitete an der redaktion, mitredaktion und gestaltung von diversen zeitschriften für grafik und bau mit. im jahre 1988 starb lohse in zürich. durch ihn und seine ausstellungen fand die konstruktive nichtfigurative kunst weltweite beachtung.

bonke

infinity, 519 | 2009
acryl auf leinwand auf holz, 80 x 80 cm, arithmeum, forschungs-institut für diskrete mathematik, rheinische friedrich wilhelms universität bonn
copyright vg bild-kunst bonn 2011

verfasser robin feder
sprecherin grit petersohn
dauer 2:45 min

jo niemeyer wurde 1946 in alf (mosel) geboren und erhielt ausbildungen als grafiker und fotograf, bevor er ab 1966 erste bilder malte. neben studienaufenthalten in kanada, den usa, in indien, nepal, china und skandinavien besuchte er von 1967–68 das institut ateneum für industrie design helsinki. seit 1970 arbeitet er als freischaffender künstler. 1983–86 nahm er lehraufträge an der finnischen akademie der künste in helsinki wahr. seine arbeiten werden seit den 1970er jahren international in einzel- und gruppenausstellungen gezeigt und befinden sich in zahlreichen namhaften sammlungen, darunter museum für konkrete kunst, ingolstadt; pinakothek der moderne, münchen; museum of modern art, new york; finnish national gallery, helsinki; mondriaanhhuis, amersfoort; haus konstruktiv, zürich und arithmeum, bonn. niemeyer lebt und arbeitet in deutschland, finnland und frankreich.

bonke

POP/INDEX | 2010
papierschnitte, (in verzinktem rahmen),
32 x 42 x 4 cm (im besitz des künstlers)
copyright vg bild-kunst bonn 2011

verfasser jan giebel
sprecherin grit petersohn
dauer 2:24 min

jürgen paas wurde 1958 in krefeld geboren. von 1981 bis 1987 studierte er unter anderem bei lászló lakner an der hochschule essen. 1991 bis 1992 folgte ein studium bei jan voss an der école nationale supérieure des beaux-arts, paris. in den jahren 2002 und 2003 hatte paas eine professur für malerei am institut für kunst und kunsttheorie an der universität zu köln inne. seine arbeiten sind seit ende der achtziger Jahre regelmäßig deutschland- und europaweit in einzel- und gruppenausstellungen zu sehen. paas lebt und arbeitet in essen.

bonke

turm der kleinen quadrate a + b | 2007
öl über weißen acrylgrund auf holz,
60 x 120 cm, galerie gudrun kammer

verfasserin grit petersohn
sprecherin grit petersohn
dauer 2:27 min

die malerin gudrun piper wurde 1917 in kobe, japan, geboren. 1927 zog sie nach hamburg. sie studierte von 1937 bis 1943 an der kunstakademie düsseldorf und an der hochschule für bildende künste berlin; nach dem krieg bei karl caspar in münchen. seit ihrer rückkehr nach hamburg 1948 arbeitet sie abstrakt. 1950 entstanden erste konstruktiv-konkrete Bilder, die zum fundament ihres bis heute in vielen nationalen und internationalen gruppen- und einzelausstellungen gezeigten künstlerischen schaffens wurden. sie erhielt dafür auszeichnungen, darunter 1995 das bundesverdienstkreuz. piper lebt und arbeitet in wedel/hamburg.

bonke

teilung säule III-76/c | 1976
acrylglas, aluminiumsockel, höhe 46 cm, durchmesser 6 cm (im besitz des künstlers)
copyright vg bild-kunst bonn 2011

verfasserin lucy e. knollmeyer
sprecherin grit petersohn
dauer 2:30 min

uli pohl, 1935 in münchen geboren, studierte an der dortigen akademie der bildenden künste. seit 1958 liegt sein schaf-fensschwerpunkt im bereich der lichtplastischen skulptur. ab 1961 beteiligte er sich an ausstellungen der gruppe zero. als mitglied der internationalen gruppe nouvelle tendance umfangreiche ausstellungsaktivitäten, darunter teilnahme an nouvelle tendance, louvre, paris 1964 und the responsive eye, museum of modern art, new york 1965. er erfüllte lehraufträge an der hochschule für bildende künste hamburg, in bremen und offenbach, schrieb das buch für einen fernsehfilm über die bildhauer wotruba, avramidis und urteil und führte selbst regie. ehrenamtlich war er aktiv u. a. von 1990 bis 1993 als vorsitzender der internationalen gesellschaft der bildenden künste. pohl, der für sein schaffen vielfältig ausgezeichnet wurde (u. a. großer preis der 1. triennale für kleinplastik, fellbach, 1980), lebt und arbeitet in ulm.

bonke

innenform | 1979
acryl auf leinwand, 100 x 100 cm
(im besitz des künstlers)
copyright vg bild-kunst bonn 2011

verfasserin vera klose
sprecherin grit petersohn
dauer 1:48 min

o.t. | 2009
acryl auf leinwand, 120 x 120 cm
(im besitz des künstlers)
copyright vg bild-kunst bonn 2011

verfasserin elena engelbrechter
sprecherin grit petersohn
dauer 2:19 min

norbert thomas wurde 1947 in frankfurt/main geboren und studierte von 1969 bis 1974 an der hochschule für bildende künste und der gesamthochschule in kassel. die ersten systematisch-konstruktiven arbeiten entstanden 1970. von 1987 bis 1991 hatte er eine professur für gestaltungslehre an der fachhochschule bielefeld inne. seither bekleidet er eine professur für grundlagen der künstlerischen gestaltung an der bergischen universität wuppertal. arbeits- und studienaufenthalte führten ihn nach new york, madrid und istanbul. neben kontinuierlich reger ausstellungstätigkeit realisierte er zahlreiche kunst-am-bau-projekte. 1982 stellte er erstmals in osnabrück (galerie am schloßwall) aus. seine arbeiten sind in vielen museen und anderen öffentlichen sammlungen vertreten. thomas lebt in essen.

bonke

k 208 (komposition nr. 208) | 1957
öl auf leinwand, 50 x 60 cm, museums-
und kunstverein osnabrück

verfasser jan ratzmann
sprecherin grit petersohn
dauer 3:20 min

»in osnabrück wurde ich am 17. november 1899 geboren. meine jugendzeit, kinderzeit, handwerkerhaushalt (…) mein gesellenbrief 1918. ostern 1919 ging ich nach hannover (…): die stadt der anna blume (…) diesem frischen wind verdankte ich sehr viel für die richtige stellungnahme in der kunst. (...) 1924 ist eine zeit grosser ereignisse. mit dem maler hans nitzschke gründete ich zunächst die gruppe k (…) die erste ausstellung der gruppe k (…) wurde ein erfolg für uns. (…) theo van doesburg (…) [war] sehr von meinen arbeiten beeindruckt, was er dadurch befestigte, indem er mich zum mitglied der de stijl-gruppe ernannte und mich nach paris einlud. (…) [durch] diese ausstellung l’art d’aujourd’hui (…) 1925 (…) machte ich mein entré in der internationalen kunstwelt. nach hannover zurückgekehrt, merkte ich die ersten resultate: es gab einladungen über einladungen (…)«. 1936 siedelte vg nach berlin über. verheiratet mit einer jüdin und gebrandmarkt als entarteter künstler ging er von dort aus zunächst in die schweiz und schließlich nach amsterdam. 1954 erhielt er den ruf an die hochschule für gestaltung in ulm und prägte die von max bill neu gegründete institution in ihren frühen jahren mit.

Impressum

Diese Seite begleitet die Ausstellung gestalten, forschen und erfinden – idee und erbe der systematischen nichtfigurativen kunst, realisiert von Lehrenden und Studierenden des Kunsthistorischen Instituts der Universität Osnabrück in Kooperation mit der VG-Initiative Osnabrück in der Sparkasse Osnabrück am Neumarkt vom
28. Januar bis 4. März 2011.

Öffnungszeiten der Ausstellung in der Sparkasse:
Montag bis Mittwoch 9.00 – 16.30 Uhr
Donnerstag 9.00 – 17.30 und Freitag 9.00 – 16.00 Uhr;

Bitte kontaktieren Sie uns bei Fragen, Anmeldungen zu Führungen und näheren Informationen:
ausstellung-khi@uni-osnabrueck.de

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Gestaltung: Janine Arndt
Videoproduktion: Jan Ratzmann